Ich besitze noch immer ein Ring, den mir meine Großmutter zu meinem 16. Geburtstag geschenkt hat. Ich trage ihn heute nicht mehr, aber ich würde ihn niemals weggeben. Nicht, weil er besonders wertvoll wäre oder weil er noch zu meinem heutigen Stil passt, sondern weil meine Großmutter mir sehr nahestand und dieser Ring mich an sie erinnert.
Dabei habe ich grundsätzlich keine besonders starke Bindung an materielle Dinge. Von Gegenständen aus meiner Kindheit, die nicht mehr existieren, vermisse ich kaum einen. Ohne die Verbindung zu einem Menschen funktioniert diese emotionale Nähe für mich nur selten. Ein Gegenstand wird für mich nicht allein durch sein Aussehen oder seinen Preis besonders. Er wird es durch den Menschen und die Erinnerung, die mit ihm verbunden sind.
Warum Schmuck Erinnerungen bewahren kann
Wenn wir nach dem Tod eines geliebten Menschen bestimmte Dinge aufbewahren, vermissen wir natürlich nicht den Gegenstand. Wir vermissen den Menschen. Und trotzdem kann etwas Materielles zu einer Erinnerung an seine physische Anwesenheit werden. Wir können es anfassen, ansehen oder tragen und haben für einen kurzen Moment das Gefühl, diesem Menschen wieder etwas näher zu sein.
Neben dem Ring meiner Großmutter bewahre ich ein kleines Bäumchen aus Steinen auf. Meine Schwester hatte es ihr geschenkt, als sie uns in Deutschland besuchte. Sobald ich dieses Bäumchen sehe, erinnere ich mich an uns beide als junge Frauen und an diese gemeinsame Zeit. Es ist kein Ersatz für einen Menschen und auch keine Fortsetzung von Liebe. Aber es ist eine Erinnerung, die eine bestimmte Szene plötzlich wieder lebendig werden lässt.
Schmuck kann genau diese Rolle übernehmen: Er bewahrt nicht den Menschen selbst, aber manchmal einen Moment, ein Gefühl oder eine frühere Version von uns.
Wann wird ein Schmuckstück persönlich?
Nicht jedes Schmuckstück muss jahrzehntelang getragen werden, um eine Bedeutung zu bekommen. Manchmal entsteht diese Bedeutung erst mit der Zeit. Manchmal ist sie bereits im Moment des Erwerbs vorhanden, weil wir uns daran erinnern, von wem wir das Schmuckstück bekommen haben, an welchem Ort wir es gefunden haben oder was gerade in unserem Leben passiert ist.
Ein Geschenk kann deshalb vom ersten Tag an eine andere emotionale Bedeutung tragen als ein Schmuckstück, das wir spontan gekauft haben. Genauso kann aber auch ein selbst gewähltes Schmuckstück sehr persönlich werden, wenn wir es mit einer Entscheidung, einem Neuanfang oder einer bestimmten Lebensphase verbinden.
Bedeutung lässt sich nicht kaufen. Sie entsteht durch das, was ein Schmuckstück in uns auslöst.
Menschen wählen Schmuck aus ganz unterschiedlichen Gründen. Einige verbinden ihn mit ihrer eigenen Kraft. Andere fühlen sich von einem bestimmten Stein, einer Form oder einer Farbe angezogen. Wieder andere tragen ein Schmuckstück einfach deshalb immer wieder, weil sie sich damit schön und ganz bei sich fühlen. Es muss dafür keine allgemeingültige Erklärung geben. Entscheidend ist, dass es eine Emotion auslöst.
Schmuck als persönliches Symbol oder Talisman
Schon als Kind hatte ich zu den Schmuckstücken, die ich selbst machte, eine andere Verbindung als zu jenen, die für mich gekauft wurden. Damals hätte ich es wahrscheinlich noch nicht erklären können. Ich spürte einfach, dass etwas, das durch meine eigenen Hände entstanden war, mehr für mich bedeutete.
Später besaß ich auch ein Schmuckstück, das ich bewusst als Talisman trug. Meine Freundin Marina hatte in meinem Feld einen bestimmten Stein wahrgenommen, und ich kaufte mir daraufhin eine Kette mit diesem Stein. Sie begleitete mich ungefähr fünf Jahre lang und erinnerte mich ähnlich wie der Ring Salomons immer wieder daran: Auch das wird vorübergehen.
Ob wir einen Edelstein spirituell betrachten, ihn als persönliches Symbol tragen oder einfach seine Farbe und seine natürliche Struktur lieben, darf jede Frau für sich selbst entscheiden. Ein Schmuckstück muss keine objektiv beweisbare Wirkung haben, um uns an etwas Wesentliches zu erinnern.
Handgefertigter Schmuck trägt bereits eine Geschichte in sich
Wenn ich ein Schmuckstück für Armure Tendre anfertige, denke ich fast immer an die Frau, die es eines Tages tragen wird. Ich stelle sie mir nicht in jedem Detail vor, aber manchmal habe ich sehr deutlich das Gefühl, dass ein bestimmtes Schmuckstück für eine Frau entsteht, die es gerade braucht.
Während der Arbeit lege ich Liebe, Aufmerksamkeit und Licht hinein. Nicht als Versprechen darüber, was das Schmuckstück bewirken wird, sondern als Haltung, mit der es entsteht. Jeder Stein wird ausgewählt, jede Kombination betrachtet und jede Kette von Hand zusammengesetzt.
Handgefertigter Schmuck beginnt deshalb nicht erst mit der Geschichte seiner Trägerin. Er trägt bereits die Geschichte seiner Entstehung in sich.
Schmuck mit Edelsteinen und seine persönliche Bedeutung
Edelsteine wurden in verschiedenen Kulturen über lange Zeit mit Eigenschaften, Symbolen und Bedeutungen verbunden. Manche Menschen interessieren sich sehr für diese Überlieferungen, andere entscheiden allein intuitiv oder ästhetisch. Für mich muss sich das nicht widersprechen.
Wir können wissen, wofür ein Stein traditionell steht, und ihn trotzdem einfach deshalb auswählen, weil wir uns von ihm angesprochen fühlen. Vielleicht erinnert uns seine Farbe an das Meer, an einen Ort oder an einen Menschen. Vielleicht passt seine Bedeutung gerade zu unserem Leben. Vielleicht gefällt er uns einfach.
Es gibt nicht den einen richtigen Grund, einen bestimmten Stein oder ein bestimmtes Schmuckstück zu wählen. Manchmal verstehen wir unsere Verbindung dazu erst später, manchmal müssen wir sie überhaupt nicht erklären.
In der Kollektion Balance verbinde ich natürliche Steine mit klaren Formen und 925er Silber. Jedes Schmuckstück darf seine eigene Bedeutung erst bei der Frau finden, die es trägt.
Was ein Schmuckstück nach Jahren bedeuten kann
Manchmal stelle ich mir vor, dass eines meiner Schmuckstücke nach vielen Jahren noch immer getragen oder vielleicht sogar an eine Tochter oder Enkelin weitergegeben wird. Dieser Gedanke ist wunderschön. Trotzdem wünsche ich mir nicht in erster Linie, dass sich die Frau dann an mich erinnert.
Ich wünsche mir, dass sie sich an sich selbst erinnert. An den Moment, in dem sie das Schmuckstück ausgesucht oder geschenkt bekommen hat. An eine Entscheidung, eine Reise, eine Beziehung oder eine Zeit, in der sie langsam wieder zu sich gefunden hat.
Vor allem aber möchte ich, dass das Schmuckstück ihr Freude bereitet. Heute und auch noch in fünf Jahren. Es muss nicht jeden Tag getragen werden und es muss nicht zum lebenslangen Talisman werden. Aber solange es ein gutes Gefühl auslöst, erfüllt es seine Aufgabe.
Vielleicht begleiten uns manche Schmuckstücke nicht deshalb ein Leben lang, weil sie besonders kostbar sind. Sondern weil wir mit ihnen zu einer Version von uns selbst geworden sind, die wir nicht vergessen möchten.
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