Rückhalt: Wenn Frauen einander einen Raum geben

Rückhalt: Wenn Frauen einander einen Raum geben

Es gibt Sätze, die plötzlich überall auftauchen, weil sie etwas aussprechen, das längst in der Luft liegt.

In den letzten Monaten begegnet mir im russischsprachigen Raum immer öfter der Satz: Eine Frau kann für eine andere Frau ein Zuhause sein.

Auf Deutsch klingt dieser Satz zu wörtlich. Vielleicht ist „Zuhause“ nicht ganz das richtige Wort. Vielleicht geht es eher um Rückhalt. Um Geborgenheit. Um einen Raum, in dem man nicht sofort bewertet wird.

Nicht als Rettung. Nicht als Rolle. Sondern als Raum.

Für mich hat dieser Gedanke nichts mit Abgrenzung gegen Männer zu tun. Und schon gar nicht mit Hass. Es geht nicht darum, eine Welt ohne Männer zu romantisieren. Es geht darum, dass Frauen einander auf eine Weise verstehen können, die nicht nach fremden Regeln funktioniert.

Nicht nach den Regeln von Leistung, Härte, Vergleich oder Konkurrenz.

Sondern nach unseren eigenen.

Letzte Woche war ich zum zweiten Mal bei AI Women. Ein Raum, geschaffen von Frauen für Frauen. Mehr als hundert Frauen, die miteinander sprechen, sich kennenlernen, einander zuhören, Fragen stellen, Kontakte teilen, Türen öffnen.

Und wieder habe ich gespürt, wie besonders das ist.

Nicht, weil dort alles perfekt wäre. Nicht, weil Frauen automatisch immer sanft, solidarisch oder unterstützend sind. Das wäre zu einfach und auch nicht wahr. Aber weil in solchen Räumen etwas möglich wird, das im Alltag oft zu kurz kommt: Man muss sich nicht erst kleiner, härter oder passender machen, um da sein zu dürfen.

Man darf ankommen. Vielleicht ist genau das Geborgenheit.

Ein Zustand, in dem man nicht ständig eine Maske trägt. Nicht beweisen muss, dass man stark genug, schön genug, professionell genug, erfolgreich genug oder unkompliziert genug ist.

Wir lernen früh, wie wir sein sollen. Wie wir aussehen sollen. Wie wir sprechen sollen. Wie viel Raum wir einnehmen dürfen. Wann wir zu laut sind, zu leise, zu weich, zu ehrgeizig, zu emotional, zu kühl, zu weiblich, zu wenig weiblich.

Und wenn wir nicht in diese Bilder passen, entsteht oft ein leiser innerer Konflikt.

Nicht immer bewusst. Manchmal nur als Unruhe. Als Gefühl, sich ständig korrigieren zu müssen. Als kleiner Abstand zu sich selbst.

Vielleicht ermüden Frauen nicht nur vom Alltag. Vielleicht ermüden sie auch davon, immer wieder in Formen passen zu sollen, die nicht ihre eigenen sind.

Deshalb kann weiblicher Rückhalt so heilsam sein. Nicht im großen, dramatischen Sinn. Sondern in diesen einfachen Momenten, in denen eine andere Frau nicht fragt: Warum bist du so? Sondern versteht: Ah, du bist gerade da.

Ich hatte in meinem Leben solche Frauen. Einige sind noch da. Manche sind nicht mehr auf dieser Welt. Und mit anderen wiederum haben sich unsere Wege getrennt.  Aber mein Weg war reich an solchen Begegnungen und ich empfinde große Dankbarkeit dafür.

Meine Großmutter war so ein Mensch. Freundinnen waren es. Frauen, die nicht bewertet haben. Die da waren. Die nicht kleiner gemacht haben, was mir wichtig war. Die mich nicht reparieren wollten, sondern mir Halt gaben.

Vielleicht ist das der Unterschied.

Nicht jede Unterstützung muss laut sein. Nicht jede Nähe muss alles lösen. Manchmal reicht es, nicht allein in einem Gefühl zu sein.

Ich glaube, Frauen verstehen einander oft auf einer sehr alten Ebene. Nicht, weil wir alle gleich sind. Sondern weil viele von uns ähnliche Codes kennen. Die feinen Anpassungen. Die unausgesprochenen Erwartungen. Die kleinen Verletzungen, die von außen manchmal kaum sichtbar sind. Und auch die Sehnsucht, einfach echt sein zu dürfen.

Gleichzeitig weiß ich, dass weibliche Räume nicht immer nur weich waren.

Auch ich habe erlebt, dass Frauen verletzen können. Vielleicht sogar tiefer, gerade weil man von ihnen anderes erwartet. Es gab eine Erfahrung in meinem Leben, die mich sehr getroffen hat. Lange viel tiefer, als ich damals zugeben konnte. So tief, dass mein Körper irgendwann mitreagierte. 

Heute sehe ich es anders. Nicht, weil das Geschehene plötzlich unwichtig wäre. Sondern weil ich verstanden habe: Es ging damals nicht um mich. Und ich musste dieses verletzte Feld in mir nicht mit Härte füllen.

Ich durfte es mit Liebe füllen.

Heute wünsche ich dieser Frau viel Licht und Liebe.

Nicht als Pose. Sondern weil ich spüre, dass ich frei geworden bin und vielleicht hilft ihr diese Freiheit auch.

Ich bin dankbar für diese Erfahrung, denn sie hat gezeigt, wie tief unsere Wunden manchmal gehen und welche Wege wir wählen, um damit überleben zu können.

Vielleicht sitzt in vielen von uns noch ein Muster von Konkurrenz. Vielleicht wurde es uns über Jahre erzählt: Dass Frauen einander nicht wirklich gönnen. Dass Freundschaft unter Frauen nicht existiert. Dass wir vergleichen, statt zu halten.

Aber ich glaube, diese Gedanken sind nicht von Frauen und sie sitzen nur oberflächlich.

Darunter liegt etwas Tieferes.

Das Wissen, dass wir einander auch tragen können.

Nicht immer. Nicht jede jede. Nicht als romantische Idee von perfektem Schwesternsein.

Aber dort, wo es echt ist, ist es stark.

Und genau dieser Gedanke gehört auch zum Konzept von Maria’s Concepts sowie zu den einzelnen Produkten, wie zum Beispiel dem Schmuck.

Nicht, weil ein Schmuckstück ein Zuhause ersetzen kann.

Das wäre zu viel gesagt.

Aber vielleicht kann es eine Erinnerung daran sein, dass wir eines in uns tragen dürfen. Und dass manchmal eine andere Frau etwas erschaffen kann, das uns für einen Moment daran erinnert.

Wenn ich ein Schmuckstück mache, denke ich an die Frau, die es später tragen wird.

Ich wasche meine Hände. Ich reinige die Steine unter fließendem Wasser. Ich nehme mir Zeit. Nicht, weil das ein großes Ritual sein muss, sondern weil ich die Arbeit nicht mechanisch beginnen möchte.

Ich möchte, dass etwas Ruhiges hineingeht.

Ein Gedanke.

Ein Gefühl.

Ein leiser Satz: Du bist nicht allein.

Vielleicht ist das naiv. Vielleicht ist es schön. Vielleicht ist es beides.

Ich glaube, Dinge tragen etwas von der Art, wie sie entstehen. Aufmerksamkeit. Eile. Gleichgültigkeit. Liebe. Und ich möchte keine Schmuckstücke machen, die eine Frau dazu bringen, etwas darstellen zu müssen.

Ich möchte Stücke schaffen, die sie an sich erinnern.

Daran, dass sie nicht beweisen muss, schön zu sein.

Daran, dass sie ihre eigene Form von Stärke tragen darf.

Daran, dass Freude erlaubt ist. Schutz erlaubt ist. Sichtbarkeit erlaubt ist. Ruhe erlaubt ist.

Daran, dass sie nicht nach fremden Vorgaben leben muss, um richtig zu sein.

Vielleicht kann ein Stein genau das werden: kein Versprechen, keine Lösung, keine Magie auf Bestellung. Aber ein persönliches Zeichen. Ein kleiner Halt am Körper. Etwas, das berührt, bleibt, begleitet.

Von einer Frau gemacht.

Für eine andere Frau.

Nicht, um sie zu verändern.

Sondern um ihr für einen Moment zu sagen: Du darfst bei dir ankommen.

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