Ein Ritual löst nicht alles. Aber es verändert den Moment.

Ein Ritual löst nicht alles. Aber es verändert den Moment.

Am Freitagabend klappe ich meinen Laptop zu, gehe schnell unter die Dusche, schnappe mir mein Fahrrad und fahre zum Yoga.

Seit drei Jahren gehört dieser Ablauf zu meinem Leben. Früher war er der klare Abschluss meiner Arbeitswoche. Heute ist das anders. Meine Arbeit endet am Freitag nicht mehr unbedingt. Sie wartet am Samstag wieder auf mich, manchmal auch am Sonntag. Trotzdem fahre ich los.

Diese 90 Minuten sind geblieben. Und sie gehören ganz mir.

Der Weg zurück zu mir

Als ich zum ersten Mal Kundalini Yoga ausprobierte, ging es mir nicht gut. Das, was ich beruflich machte, frustrierte mich. Morgens fiel es mir schwer aufzustehen. Mein Rücken tat weh. Genießen konnte ich kaum noch etwas. Vieles von dem, was mir früher wichtig gewesen war, hatte ich irgendwo auf dem Weg verloren.

Und irgendwann verlor ich auch mich selbst.

Eine Freundin von mir unterrichtete damals Kundalini Yoga. Ich wollte etwas Neues ausprobieren und meldete mich für einen Anfängerkurs im Yogazentrum Hoheluft an. Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens.

Aus einer Yogastunde am Freitag wurden 90 Minuten, die mich vor dem vollständigen Ausbrennen bewahrten. Sie wurden zu meinem Weg zurück zu mir.

Der Ablauf war einfach. Laptop zuklappen. Schnell duschen. Aufs Fahrrad steigen. Zum Yoga fahren. Danach ging ich häufig noch mit zwei Freundinnen essen. Rückblickend war auch das ein Teil des Rituals. Ein kleiner Women Circle nach der Stunde, Gespräche, gemeinsames Essen und das Gefühl, dass die Woche jetzt wirklich vorbei war.

Diese Abende waren unbezahlbar.

Die Arbeit endet nicht mehr am Freitag

Heute ist mein berufliches Leben ein anderes. Maria’s Concepts fügt sich ganz natürlich in mein Leben ein, weil ich liebe, was ich tue. Ich empfinde meine Arbeit nicht mehr als etwas Fremdes, das ich bis Freitag irgendwie überstehen muss.

Dafür gibt es auch keinen so klaren Feierabend mehr.

Die Woche geht am Samstag weiter. Wir gehen nach dem Yoga seltener gemeinsam essen. Es gibt noch Texte zu schreiben, Schmuckstücke zu fertigen, Ideen zu sortieren und ungefähr 38 Dinge, die ich eigentlich nur kurz erledigen wollte.

Aber die 90 Minuten am Freitag sind noch immer meine.

Ich gehe nicht jedes Mal voller Begeisterung los. Manchmal muss ich mich sogar dazu zwingen. Ich weiß nur inzwischen, dass es mir danach bessergehen wird. Wenn die Stunde einmal ausfällt, merke ich es häufig noch in der folgenden Woche. Ich bin unruhiger, manchmal auch gereizter.

Nach dem Yoga fühle ich mich befreit. Manchmal sogar ein bisschen high. Das Singen der Mantren, die Vibrationen des Gongs und die Bewegungen lösen etwas, das sich im Laufe der Woche festgesetzt hat.

Wenn dieses Gefühl ein Licht wäre, dann wäre es hell und weich.

Für mich ist die Freitagsstunde heute kein klassischer Feierabend mehr. Sie ist eine Rückkehr zu mir.

Wann wird eine Gewohnheit zum Ritual?

Eine Routine ist für mich etwas, das irgendwann automatisch geschieht. Zähneputzen ist eine Routine. Ich muss morgens nicht mit mir darüber verhandeln, ob ich es heute wirklich schaffe.

Auch mein Set aus Übungen am Morgen empfinde ich eher als Routine. Danach Kaffee, dann Sport. Es gehört zum Ablauf.

Ein Ritual braucht nicht unbedingt mehr Zeit, aber mehr Aufmerksamkeit.

Das klingt zunächst einfach. Gerade wenn man sich jahrelang an die zweite Stelle gesetzt hat, kann diese Aufmerksamkeit allerdings ziemlich mühsam werden. Plötzlich soll man etwas für sich tun, ganz regelmäßig und am besten mit Freude. Sogar eine sinnvolle Rückenübung kann dann wie eine weitere lästige Aufgabe auf der Liste wirken und passiert am Ende gar nicht.

Ein Ritual ist deshalb für mich keine perfekt eingehaltene Vorschrift. Es darf spontan sein. Es darf sich mit den Jahreszeiten verändern. Es kann 90 Minuten dauern oder nur eine.

Entscheidend ist der Moment, in dem ich bewusst wahrnehme, was ich gerade tue und warum ich es tue.

Bunte Unterwäsche, Sauna und ein Blick in den Spiegel

Rituale müssen nicht aussehen wie Rituale.

Früher arbeitete ich in sehr männerdominierten Branchen. Unter meinen dunklen Anzügen trug ich gern bunte Unterwäsche. Niemand konnte sie sehen. Genau das war der Punkt. Sie war mein kleines Geheimnis, etwas Eigenes unter einer Kleidung, die nach außen Seriosität, Anpassung und Kontrolle vermitteln sollte.

Ein anderes Ritual findet einmal im Jahr statt. Kurz vor meinem Geburtstag gehe ich allein in die Sauna. Ich nehme ein Buch mit, lasse mir Zeit und wasche das vergangene Lebensjahr gedanklich ab. Nicht, weil am nächsten Morgen alle alten Themen verschwunden wären. Aber weil ich diesen Übergang bewusst markieren möchte.

Und wenn ich das Haus verlasse, etwas vergesse und noch einmal zurückkommen muss, schaue ich in den Spiegel. Immer. Woher das kommt, weiß ich nicht einmal genau. Manche Rituale erklären wir nicht. Wir machen sie einfach.

Gerade entsteht ein neues. Ich habe mir ein wunderschönes Notizbuch gekauft, das nicht leer bleiben soll. Ich stelle mir vor, wie ich eine Kerze anzünde, die mir eine Freundin geschenkt hat, Tee eingieße und losschreibe. Neue Gedanken, Ideen und alles, was sonst zwischen geöffneten Tabs und schnellen Notizen verloren geht.

Vielleicht wird daraus ein festes Ritual. Vielleicht bleibt es jahreszeitabhängig. Im Moment wartet das Notizbuch noch geduldig auf mich.

Ein Anker auf dem Trockenen

Mit einem Anker verbinde ich Erdung. Das ist ein bisschen lustig, weil ein Anker eigentlich aus der Welt des Wassers kommt.

Wir setzen ihn, um Halt zu finden und uns auszurichten. Genau das brauche ich, wenn ich mich verloren fühle oder innerlich abdrifte.

Ein Anker löst das Problem nicht. Unsere Probleme können wir letztlich nur selbst lösen. Er kann aber den Blick verändern. Manchmal brauchen wir keine fertige Antwort, sondern einen neuen Fokus oder einen kleinen Perspektivwechsel.

Unsere Welt ist schnell geworden. Einen großen Teil des Tages verbringen wir online. Wir arbeiten am Computer, lesen auf dem Handy, beantworten Nachrichten und wechseln ständig zwischen Informationen. Ein Ritual kann uns für einen Moment das Offline-Leben zurückgeben.

Dabei spielt der Körper für mich eine wichtige Rolle. Die Haut ist unser größtes Sinnesorgan. Berührung holt uns ins Hier und Jetzt.

Genau deshalb kann auch Schmuck zu einem haptischen Anker werden. Wir spüren ihn auf der Haut und nehmen ihn in die Hand. Dafür braucht es keine magische Wirkung.

Meine Kyanit-Kette war das erste Schmuckstück in dieser Lebensphase mit einem Kristall, das ich selbst getragen habe. Ich verbinde Kyanit mit dem dritten Auge. Wer bei der Haptik und persönlichen Symbolik bleiben möchte, darf genau dort bleiben. Wer spirituell weitergehen möchte, darf das natürlich ebenfalls. Ich finde nicht, dass wir uns für nur eine Sichtweise entscheiden müssen.

Auch ein bestimmter Stein kann eine persönliche Ausrichtung verkörpern. Bergkristall wird traditionell mit Klarheit verbunden. Die Flow Kette mit Bergkristall schenkt uns diese Klarheit nicht. Sie kann uns aber daran erinnern, dass wir sie gerade brauchen und den nächsten Schritt wieder bewusster betrachten möchten.

Für mich liegt genau darin die Kraft solcher Gegenstände. Sie erledigen nichts für uns. Sie bringen unsere Aufmerksamkeit zurück.

Es gibt nicht das eine richtige Ritual

Viele Ratschläge werden heute präsentiert, als wären sie die einzige Wahrheit. Die perfekte Morgenroutine. Die richtige Meditation. Eine bestimmte Anzahl von Wiederholungen. Der eine Weg, der angeblich für alle funktioniert.

Aber unterschiedliche Menschen können auf unterschiedlichen Wegen am gleichen Ziel ankommen.

Mein Gehirn filtert unpassende Aussagen über Rituale meistens ohnehin schnell heraus. Ich nehme mir das, was zu mir passt, und lasse den Rest liegen. Vielleicht ist das bereits eine Form von Selbstfürsorge.

Ein Ritual kann eine lange Yogastunde sein. Es kann auch nur eine Minute dauern. Und ja, bei einer Minute lasse ich die Ausrede „keine Zeit“ nur noch eingeschränkt gelten. Wo ein Wille ist, findet sich meistens auch dieser eine Moment.

Rituale sind keine magischen Rezepte. Sie garantieren weder Balance noch Erfolg und sie machen schwierige Gefühle nicht automatisch angenehm. Manchmal helfen sie uns gerade dabei, das Unangenehme wahrzunehmen, zu verarbeiten und irgendwann loszulassen.

Ein Ritual löst nicht alles. Aber es verändert den Moment, in dem wir uns befinden.

Wenn du herausfinden möchtest, wie du einen Stein oder ein Schmuckstück in dein eigenes Ritual integrieren kannst, habe ich den kostenlosen Guide „Täglicher Anker“ geschrieben. Er soll dir keine weitere perfekte Routine vorgeben. Er lädt dich dazu ein, einen persönlichen Impuls zu wählen und einen kleinen Anker zu finden, der dich im Alltag daran erinnert.

 

Titelbild: © Nina Stiller, Yogazentrum Hoheluft

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