Letzten Sonntag hatte ich ein Fotoshooting für Maria’s Concepts. Eigentlich wollte ich endlich die gesamte Kollektion so zeigen, wie ich sie selbst sehe: nicht als einzelne Produkte auf weißem Hintergrund, sondern getragen, kombiniert mit Seide und eingebettet in die Welt, aus der sie entstanden ist. Balance, Flow, Aura, Essence, die Seidenstücke und ich selbst sollten zum ersten Mal wirklich in einem Bild zusammenkommen.
Früher habe ich mich auf solche Termine ganz anders vorbereitet. Ich habe stärker darauf geachtet, wie ich aussehe, wie ich stehe und ob alles stimmt. Dieses Mal waren die Voraussetzungen dafür eigentlich denkbar schlecht. Ich habe in letzter Zeit sechs Kilo zugenommen, meine Haut macht gerade, was sie will, und natürlich hätte ich problemlos sagen können: Wir verschieben das Shooting, bis ich mich wieder wohler fühle. Stattdessen bin ich zum Friseur und zur Maniküre gegangen und habe dabei gemerkt, wie schön es ist, sich ganz bewusst etwas Gutes zu tun. Nicht, um für die Kamera eine bessere Version von mir herzustellen, sondern einfach für mich.
Die High Heels hatte ich trotzdem dabei. Getragen habe ich sie am Ende kein einziges Mal. Ich stand irgendwann barfuß im Studio, zuerst im weißen Hemd und in weißer Hose, später im Kleid oder im Seidenkostüm, immer mit meinen eigenen Schmuckstücken. Ich fühlte mich damit so wohl, dass ich beschlossen habe, die gesamte Strecke barfuß zu fotografieren. Rückblickend war das eine der besten Entscheidungen des Tages. Ich wollte auf den Bildern nicht anders aussehen, als ich gerade bin. Ich wollte mich darin wiedererkennen.
Was sehen wir eigentlich auf einem Foto?
Wenn ich heute Bilder von mir anschaue, suche ich nicht zuerst nach dem vermeintlichen Makel. Mich interessiert die Stimmung. Funktioniert der Moment? Erzählt das Bild etwas? Fühlt es sich nach mir an? Ich glaube, genau darin hat sich mein Blick auf Fotografie in den letzten Jahren am stärksten verändert.
Natürlich sehe ich Veränderungen. Mein Gesicht sieht heute anders aus als vor zehn Jahren. Ich sehe Falten, graue Haare und gerade eben auch ein paar Kilo mehr. Aber nichts davon überrascht mich. Es gehört zu mir und zu dem Leben, das dazwischen stattgefunden hat.
Früher gab es Fotos, die ich nicht mochte, weil sie mir etwas gezeigt haben, das ich selbst gerade nicht sehen wollte. Heute möchte ich keine Bilder mehr, auf denen eine Bearbeitung eine andere Person aus mir macht. Licht und Farbe dürfen natürlich stimmen, Haut darf trotzdem Haut bleiben. Für mich ist ein gutes Porträt heute nicht das Bild, auf dem ich am perfektesten aussehe. Es ist das Bild, auf dem ich mich erkenne.
Genau deshalb war mir auch wichtig, dass die Schmuckstücke auf diesen Bildern nicht einfach an einem Model gezeigt werden. Ich wollte sehen, wie sie sich in einen echten Ausdruck einfügen. Eine Balance Kette wirkt an einer Frau anders als auf einem Produktfoto. Eine lange Flow Kette verändert mit ihrer Bewegung plötzlich die gesamte Silhouette. Selbst die leichteren Aura Ketten erzählen getragen eine andere Geschichte, weil erst dann sichtbar wird, wie selbstverständlich ein kleiner Stein Teil eines ganzen Looks werden kann.
Als plötzlich alles zusammenkam
Bei diesem Shooting gab es einen Moment, der mir besonders im Gedächtnis geblieben ist. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass die verschiedenen Teile von Maria’s Concepts nicht mehr nebeneinanderstehen. Die Dinge, die ich geschaffen habe, die Ästhetik der Marke und ich selbst waren plötzlich Teil derselben Welt.
Barfuß, im weißen Hemd und in weißer Hose, später im Kleid oder im Seidenkostüm, dazu Natursteine und Silber. Beim Blick auf die ersten Aufnahmen dachte ich nur: Ja. Genau so habe ich mir diese Welt vorgestellt.
Die Seide von Armure Tendre war für mich dabei genauso wichtig wie der Schmuck. Nicht als Hintergrund und auch nicht als Styling-Requisite. Gerade die Kombination hat mir wieder gezeigt, warum diese beiden Bereiche für mich zusammengehören. Seide bewegt sich, Schmuck setzt kleine Akzente, Natursteine bringen Farbe hinein und am Ende entsteht kein einzelnes Produktbild mehr, sondern eine Stimmung.
Ich bin kein Model und ich bin auch keine zwanzig mehr. Aber es ist mein Entwurf, meine Welt und ich habe sie geschaffen. An diesem Tag musste ich nichts darstellen. Ich durfte einfach Teil meiner eigenen Kreation sein.
Die Fotografin hat das sehr schön verstanden. Sie hat nicht versucht, jedes Schmuckstück isoliert möglichst perfekt in die Kamera zu halten. Sie hat eher das Gefühl eingefangen, das entsteht, wenn alles zusammenkommt. Genau das wünsche ich mir auch für die Frauen, die meine Schmuckstücke später tragen. Eine Essence Kette muss nicht den gesamten Look bestimmen. Ein Wort im Morsecode darf etwas sehr Persönliches bleiben. Ein Naturstein aus Balance kann Bedeutung haben, ohne dass jeder im Raum wissen muss, welche. Schmuck darf Teil einer Frau werden, statt vor ihr zu stehen.
Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum mir diese Bilder so gut gefallen. Sie zeigen nicht nur die Kollektion. Sie zeigen, wie ich sie mir immer vorgestellt habe.
Die Spuren gehören dazu
Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr erinnert mich unser Verhältnis zu unserem eigenen Aussehen an Natursteine. Ein Stein wird von Wasser, Sand, Druck und Zeit verändert. Seine Oberfläche erzählt davon, was mit ihm passiert ist. Wir würden bei einem natürlichen Stein kaum verlangen, dass jede kleine Linie verschwindet, bevor wir ihn schön finden dürfen.
Warum tun wir das bei uns selbst so oft?
Unsere Haut, unser Körper und unsere Haare verändern sich mit jedem Abschnitt unseres Lebens. Manche Veränderungen nehmen wir sofort an, mit anderen brauchen wir länger. Für mich geht es nicht darum, jeden Tag alles an sich wunderschön finden zu müssen. Es geht eher darum, die eigene Geschichte nicht aus dem Bild herausretuschieren zu wollen.
Was wir manchmal als Makel betrachten, sind oft einfach Spuren unseres Weges. Das Meer und der Sand hinterlassen ihre Spuren auf einem Stein, unser Leben hinterlässt sie auf uns. Wenn wir anfangen, auch diese Veränderungen als Teil der eigenen Geschichte zu betrachten, verändert sich der Blick.
Und genau deshalb mag ich natürliche Steine für Armure Tendre so sehr. Kein Labradorit, Rosenquarz oder Bergkristall sieht vollkommen identisch aus. Kleine Unterschiede gehören nicht trotz ihrer Schönheit dazu, sondern sind ein Teil davon. Dieselbe Haltung wünsche ich mir inzwischen auch für meine eigenen Bilder.
Das Shooting hätte ich verschieben können. Auf bessere Haut warten. Auf weniger Gewicht. Auf irgendeinen Moment, in dem wieder alles „stimmt“. Dann hätte ich allerdings genau die Frau nicht fotografiert, die diese Kollektion gerade geschaffen hat.
Ich war an diesem Sonntag genau die Frau, die ich an diesem Sonntag war. Barfuß, nicht perfekt und umgeben von Dingen, die aus meinen eigenen Ideen entstanden sind.
Und genau diese Version von mir wollte ich auf den Bildern sehen.
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