Mein Tag beginnt meistens mit Bewegung. Keine große Sportroutine, sondern einfach ein paar leichte Übungen direkt nach dem Aufstehen. Für mich ist das vor allem eine Möglichkeit, wieder im eigenen Körper anzukommen. Bevor der Kopf anfängt, Listen zu schreiben, Nachrichten zu lesen und sich mit allem zu beschäftigen, was an diesem Tag passieren soll, gibt es erst einmal diesen kurzen Moment nur für mich. Wenn er ausfällt, fehlt mir tatsächlich etwas.
Ähnlich ist es mit meiner Yogastunde am Freitagabend. Ich habe vor ungefähr drei Jahren damit angefangen und inzwischen gehört Freitag, 18 Uhr, für mich einfach dazu. Früher war es gleichzeitig der Abschluss der Arbeitswoche. Das funktioniert mit der Selbstständigkeit inzwischen nur noch bedingt, gearbeitet wird danach oder am Wochenende trotzdem. Der Termin ist geblieben. Und wenn er aus irgendeinem Grund ausfällt, merke ich, dass sich der Freitag anders anfühlt. Genau darin liegt für mich inzwischen auch die Bedeutung eines Rituals: Etwas kehrt regelmäßig in unser Leben zurück, weil es uns ein bestimmtes Gefühl oder eine bestimmte Erfahrung gibt. Manchmal ganz bewusst, manchmal merken wir erst, wie wichtig es geworden ist, wenn es fehlt.
Dabei sind Rituale nicht automatisch gut. Auch Gewohnheiten, die uns eigentlich nicht guttun, können diese Funktion übernehmen. Bei mir waren erstaunlich viele kleine Momente des Tages einmal mit einer Zigarette verbunden. Nach dem Essen, bei einer Pause, beim Nachdenken, beim Warten. Als ich aufgehört habe zu rauchen, habe ich deshalb nicht nur eine Zigarette weggelassen. Plötzlich fehlten an vielen Stellen kleine Abläufe, die über Jahre selbstverständlich geworden waren. Obwohl die Entscheidung aufzuhören vollkommen bewusst war, war genau das unglaublich schwer. Erst dadurch habe ich verstanden, wie stark Rituale unseren Alltag strukturieren können, ganz unabhängig davon, ob sie uns langfristig guttun oder nicht.
Heute versuche ich stärker darauf zu hören, was ich in einem bestimmten Moment tatsächlich brauche. Dafür gibt es bei mir keine universelle Lösung. Manchmal hilft es, nach draußen zu gehen und ein paar Minuten barfuß auf der Erde zu stehen. An einem anderen Tag brauche ich Musik und muss einfach tanzen. Unterschiedliche Zustände brauchen unterschiedliche Antworten. Für mich liegt der Wert eines Rituals deshalb weniger darin, jeden Tag exakt dasselbe zu tun. Es geht darum, Wege zu kennen, die mich wieder zu mir zurückbringen.
Interessanterweise fällt mir das leichter, wenn ich nicht zu viel darüber nachdenken muss. Bewusst zwischen zehn Möglichkeiten auszuwählen, empfinde ich eher als Stress. Ich mag diese kleinen Momente, in denen etwas einfach auftaucht. Ein Lied beginnt zu spielen und genau das ist es gerade. Ein Kleid fällt mir im Schrank als Erstes ins Auge. Bei Schmuck funktioniert es bei mir fast immer genauso. Ich entscheide selten lange, was heute am besten passen könnte. Ich greife zu dem, was sich in diesem Moment richtig anfühlt. Genau deshalb entstehen auch die Schmuckstücke von Armure Tendre nicht für einen bestimmten Anlass, sondern dafür, ihren Platz im Alltag der Frau zu finden, die sie auswählt.
Ein Schmuckstück begleitet mich dabei seit Jahren: ein Silberring mit drei Kyaniten, den ich mir als eines meiner ersten Stücke selbst gemacht habe. Seitdem ist er fast immer bei mir. Ich treffe morgens keine bewusste Entscheidung darüber, welche Bedeutung er heute haben soll. Er gehört einfach zu mir. Und wahrscheinlich ist genau das der Punkt, an dem aus einem Gegenstand irgendwann ein kleines persönliches Ritual wird.
Wir brauchen nicht für alles eine große Bedeutung. Manches wird wichtig, weil es immer wieder da ist. Die Tasse, aus der wir morgens trinken. Ein Spaziergang. Eine Yogastunde am Freitag. Ein bestimmtes Lied. Ein Ring am Finger. Für sich genommen verändert keiner dieser Momente ein ganzes Leben. In ihrer Wiederholung verändern sie aber durchaus, wie sich dieses Leben anfühlt.
Auch bei Armure Tendre interessiert mich deshalb weniger die Vorstellung, dass ein Schmuckstück für jede Frau dasselbe bedeuten müsste. Sie wählt selbst aus, was sie anspricht. Einen Stein, eine Farbe, ein Wort oder einfach ein Design, bei dem sie unmittelbar etwas empfindet. Manche wählen bewusst einen einzelnen Stein, andere fühlen sich eher von einer Kombination angesprochen. In der Balance Kollektion treffen verschiedene Natursteine aufeinander und können so zu einem ganz eigenen täglichen Begleiter werden. Nicht als Versprechen, dass ein Stein etwas für sie erledigt, sondern als etwas, das sie selbst gewählt hat und mit dem sie etwas Eigenes verbindet.
Große Ereignisse bleiben uns natürlich in Erinnerung. Unser tatsächliches Leben besteht aber zum größten Teil aus gewöhnlichen Tagen. Aus dem, was wir morgens tun, womit wir uns umgeben, welche Musik wir hören, wann wir uns bewegen und welche kleinen Dinge immer wieder einen Platz darin bekommen.
Und am Ende sind es oft genau diese wiederkehrenden Momente, die einen ganz normalen Tag zu unserem eigenen machen.
0 Kommentare